Publikationen des Lehrstuhls für Politische Theorie und Ideengeschichte

Im Folgenden sind die Publikationen des Lehrstuhls aufgelistet. Weitere Publikationen finden Sie bei den jeweiligen Profilen der MitarbeiterInnen.

Bücher (Monographien und Sammelbände)

Jan Rohgalf: Jenseits der großen Erzählungen. Utopie und politischer Mythos in der Moderne und Spätmoderne. Mit einer Fallstudie zur globalisierungskritischen Bewegung, Wiesbaden: SpringerVS, 2015, 587 S.

Das viel beschworene Ende der modernen Fortschrittserzählungen bedeutet keineswegs die pragmatische bzw. ohnmächtige Beschränkung der Politik auf das Faktische. Mit Hilfe eines innovativen theoretischen Ansatzes geht die Studie deshalb dem Wandel des politischen Imaginären in der Spätmoderne nach. Sie zeigt, warum die Zeit der Utopien vorerst vorbei sein dürfte, mit politischen Mythen hingegen weiterhin zu rechnen ist: In der Spätmoderne wirkt der Traum von der technischen Machbarkeit gesellschaftlicher Harmonie wenig plausibel oder gar bedrohlich. Die Studie analysiert, wie mit der Globalisierung auch eine neue, vielstimmige mythische Erzählung über die Welt entstanden ist, die mit mannigfachen Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten verbunden ist. Eine umfangreiche Fallstudie zur globalisierungs- kritischen Bewegung untersucht exemplarisch diesen politischen Mythos und seine Folgen.

Yves Bizeul (Hg.): Rekonstruktion des Nationalmythos? Frankreich, Deutschland und die Ukraine im Vergleich, Göttingen: V&R unipress, 2013, 266 S.

Nach zwei blutigen Weltkriegen und dem Nationalsozialismus wurden die meisten einheitlichen und essentialistischen Nationalmythen entzaubert. Insbesondere in der heutigen „postnationalen Konstellation“ (Habermas) der Globalisierung scheint der Bezug auf die Nation als gesellschaftlicher Kitt ausgedient zu haben. Zur selben Zeit jedoch versuchen unterschiedliche staatliche sowie zivilgesellschaftliche Akteure , einen neuen allgemeingültigen „Monomythos“ (Marquard) zu etablieren. Diese Rekonstruktionsversuche unter den Bedingungen spätmoderner Mediengesellschaften werfen eine Reihe von Fragen auf: Was unterscheidet diese Mythenrekonstruktionen von den früheren Nationalmythen der Moderne? Von wem gehen sie aus? Welche Ideologien und welche Ideologien liegen ihnen zugrunde? Welche Ressourcen und Medien werden im Kampf um die Deutungsmacht bezüglich der nationalen Geschichte eingesetzt? Antworten bietet dieser Band, der die aktuelle Erinnerungspolitik auch aus der Perspektive der europäischen Ethnologie betrachtet. 

Yves Bizeul: Glaube und Politik, Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, 315 S.

Selten besteht Politik aus rein zweckrationalem Handeln. Politische Überzeugungen entstehen nur begrenzt aus der Kraft der besseren Argumente im politischen Diskurs oder aus der Fähigkeit, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Neben der Legitimation durch Diskurs- und Zweckrationalität spielen vor allem auch nicht reflektierte vorpolitische Auffassungen eine bedeutende Rolle sowohl bei der Stabilisierung eines politischen Systems als auch bei der politischen Mobilisierung. Dieses Buch untersucht die Relevanz des religiösen wie auch des politischen Glaubens für die Politik.

Yves Bizeul (Hg.): Gewalt, Moral und Politik bei Eric Weil, Hamburg: Lit-Verlag, 2005, 188 S.

Der vorliegende Sammelband beschäftigt sich mit der politischen Philosophie Eric Weils. Diese besteht aus einer tiefgründigen und einzigartigen Reflexion über Gewalt, Moral und Politik, was vor allem auf die traumatischen Erfahrungen Weils im Ersten Weltkrieg und während des Nationalsozialismus zurückzuführen ist. In Weils Veröffentlichungen finden antike und moderne Philosophie, aristotelische Klugheit und aufklärerische Vernunft einen gleichberechtigten Platz. Mit Kant werden Autonomie und universelle Vernunft betont. Zugleich beruft sich Weil auf die Teleologien von Aristoteles und Hegel, um die rein formale Moral zu überwinden.

Hans Jürgen Wendel/Wolfgang Bernard/Yves Bizeul (Hg.): Brücke zwischen den Kulturen. „Übersetzung“ als Mittel und Ausdruck kulturellen Austauschs, Reihe: Rostocker Studien zur Kulturwissenschaft, Bd. 7, Rostock: Universität Rostock 2002, 311 S.

Ein gemeinsames Anliegen der Autoren dieses Sammelbandes ist, einer derzeit nicht selten stattfindenden Verkürzung des Verständnisses von kulturellem Austausch auf einen bloßen ‘Transfer von Informationen’ entgegenzuwirken und die vielfältigen Prozesse, die bei der Berührung unterschiedlicher Kulturen auftreten, in ihrer Interdependenz differenziert zu analysieren. Ein wichtiges Ergebnis ist dabei, dass der Austausch zwischen zeitgleichen Kulturen und der zwischen Kulturen aus historisch verschiedenen Epochen gerade unter einer systematischen Perspektive neben charakteristischen Unterschieden auch eine Reihe von bedeutsamen Gemeinsamkeiten zeigt, die freilich nur von interdisziplinären Forschungsansätzen angemessen erfasst werden können. Insofern versteht sich dieser Band nur als eine Art erster Zwischenbericht, der auffordern und motivieren soll zu weiterer gemeinsamer fach- und fakultätsübergreifender Forschung.

Hans Jürgen Wendel/Wolfgang Bernard/Yves Bizeul (Hg.): Wieviel Armut verträgt die Demokratie?, Reihe: Rostocker Studien zur Kulturwissenschaft, Bd. 6, Rostock: Universität Rostock 2001, 190 S.

Neuere politikwissenschaftliche Studien belegen, dass das Entstehen und Überleben einer liberalen Demo­kratie - entgegen der Annahme vieler Modernisierungstheo­retiker - nicht notwendig von wirtschaftlichen Bedingungen abhängt, siehe das Beispiel der USA in den 30er Jahren oder des heutigen Indien. Aufgrund des Grundkonsenses, der sie trägt (oder tragen sollte), scheint die liberale Demokratie langfristig gesehen sogar weniger anfällig für Zusammenbrü­che als andere politische Ordnungen zu sein. Dies trifft zu­mindest solange zu, als ein in die Armut getriebener breiter Teil der Bevölkerung nicht langfristig ausgegrenzt wird. Die Frage „Wie viel Armut verträgt die Demokratie?“ ist einerseits eine aktuelle politische und könnte insofern, so scheint es, Politikwissenschaftlern, Soziologen und Ökono­men allein überlassen werden. In Wahrheit geht es aber um eine Grundfrage menschlichen Zusammenlebens in Gemein­schaft, deren Beantwortung von der vorgängigen Beantwor­tung einer Reihe philosophischer und u.U. auch theologi­scher Fragen abhängt. Gerade weil sie einerseits im Alltag der Menschen besonders deutlich spürbar und sichtbar wird, aber andererseits systematisch im Rahmen von Ethik und Politik einen vielfach abgeleiteten Charakter hat, ist es ent­scheidend, eine Antwort auf interdisziplinärem Wege zu su­chen, wobei interdisziplinär in diesem Fall zugleich die In­volvierung mehrerer Rostocker Fakultäten bedeuten muss, nämlich der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen, der theologischen und der philosophischen.

Yves Bizeul (Hg.): Politische Mythen und Rituale in Deutschland, Frankreich und Polen, Reihe: Ordo Politicus, Bd. 34, Berlin: Duncker & Humblot 2000, 235 S.

Am 4. und 5. Oktober 1996 fand in Rostock ein internationales Symposium zum Thema „Politische Mythen und Rituale in Deutschland, Frankreich und Polen“ statt. Die in diesem Band gesammelten Beiträge geben Auskunft über neuerer Arbeiten zum politischen Mythos und zur dessen Definition sowie zahlreiche Beispiele von der „Arbeit“ am politischen Mythos und dem politischen Umgang mit Ritualen in den drei Nachbarstaaten Polen, Frankreich und Deutschland.

Hans Jürgen Wendel/Wolfgang Bernard/Yves Bizeul (Hg.): Toleranz im Wandel, Reihe: Rostocker Studien zur Kulturwissenschaft, Bd. 4, Rostock: Universität Rostock 2000, 166 S.

Die Beiträge dieses Sammelbandes widmen sich vor allem drei miteinander eng verknüpften Problemen, nämlich erstens der Frage, ob neueste soziale Veränderungen in den westlichen Gesellschaften womöglich in besonderer Weise geeignet sein können, die europäische Tradition der Toleranz zu gefährden. Zweitens wird gerade vor diesem Hintergrund die geistige Basis des Toleranzgedankens - auch in Auseinandersetzung mit zentralen Texten aus Antike und Neuzeit - sorgfältig analysiert, um von daher drittens auch die Frage zu stellen, was zur Förderung der Toleranz beim Einzelnen wie in der Gesellschaft unternommen werden kann.

Yves Bizeul/Ulrich Bliesener/Marek Prawda (Hg.): Vom Umgang mit dem Fremden. Hintergrund, Definitionen, Vorschläge, Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1997, 253 S.

Der Band erlaubt eine bessere Fundierung der Diskussion zum Umgang mit dem Fremden und zur interkulturellen Erziehung, eine Entemotionalisierung (die oftmal den Blick für das Mögliche und Angemessene verstellt) bei den Versuchen, tragfähige Lösungen für eine gemeinsame Lebensgestaltung zu finden. Ziel ist keine Anleitung für das unmittelbare Handeln, sondern die Präsentation von Zusammenhängen und Begründungen, durch die fundierte Entscheidungen erst möglich werden.

Yves Bizeul: Christliche Sekten und religiöse Bewegungen in der südlichen Hemisphär – Eine Literaturstudie, Bonn: Zentralstelle Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz 1995, 223 S.

Infolge des Scheiterns der großen sozial­politischen "Erzählungen" der Mo­derne sprießen weltweit neue religiösen Bewegungen, sog. "Sekten" im Sinne Max Webers, wie Pilze aus dem Boden. Bislang hat die "Rückkehr des Religiösen" nur ausnahmsweise zu einer Restauration der alten kirchklichen Monopol­position geführt. Ganz im Gegenteil, die heutige Entwicklung ist un­gemein differen­ziert, vielfältig und bunt. Die fortschreitende Atomisierung des religiösen Feldes, die zu einem Spiel von Angebot und Nachfrage religiöser Güter, zu einer Art „göttlichem Supermarkt“ führt, ist auch in immer mehr Länder der südlichen Hemisphäre zu beobachten. Ziel diese Veröffentlichung ist eine Bestandaufnahme der umfangreichen Literatur zum Thema christlich-fundamentalistische "Sekten" in der südlichen Hemisphäre.

Yves Bizeul: Gemeinschaften mit Eigenschaften? Die Identität der deutschen und französischen Gemeinschaften und ihre Sozialisationspraktiken – Ein Vergleich, Reihe: Gesellschaft und Bildung, Bd. 6, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1993, 312 S.

Nach dem gescheiterten Unterfangen der Großideologien des 19. und 20. Jahrhunderts, gleichartige Menschen, Gruppen und Gesellschaften ohne Eigenschaften zu schaffen, hat das Thema Identität heute wieder Hochkonjunktur. Nicht zuletzt die religiösen Gemeinschaften in der Welt streben nach der Wiederentdeckung ihrer wirklichen bzw. vermeintlichen Wurzeln und heben ihre Unterschiedlichkeiten hervor. Die neuerweckten Denk- und Verhaltensweisen kongruieren jedoch nur bruchstückhaft mit ihren alten Vorbildern, zumal sich die globale gesellschaftliche Umwelt inzwischen radikal umgewandelt hat. Die hier vorgelegte Untersuchung hat als Ziel, anhand eines komplexen Modells der Kollektividentität die heutigen protestantischen Gemeinschaften in Deutschland und Frankreich zu vergleichen.

Yves Bizeul: L’Identité protestante, Paris: Méridiens Klincksieck 1991, 276 S.

Die Untersuchung der Identität der kleinen französischen protestantischen Minderheit zeigt, dass diese über genug Klammern verfügt, um ihre verschiedenen Milieus zusammenzuhalten: die hohe Metastabilität, der "Sozialindividualismus", das Engagement für die Ideale der Lumières, die Menschenrechte, die Republik, die Laizität und die Toleranz. Sowohl die „Progressisten“ als auch die Vertreter einer Reaktivierung der Wir-Identität und die Evangelikalen und Pfingstler halten an diesen gemeinsamen Idealen fest. Die Betonung des Widerstandsgeistes (résister !) durch die französischen Protestanten ist nicht nur die Folge ihrer Geschichte der Verfolgung. Zum Widerstand bereit waren auch die Hugenotten der Cevennen während des Zweiten Weltkrieges, die sich zum Teil in die gleichen Höhlen wie die Camisarden versteckten, oder die Protestanten, die damals Juden geholfen haben. Es handelt sich um eine Grundeinstellung, die mit einem tiefen Hang zur Entmythologisierung der politischen Machtverhältnisse zusammenhängt.